Das erste Jahr von MISTRAL
04.05.2026
Historisch gewachsene Industriestandorte stehen bei der Transformation ihrer Energiesysteme vor einer komplexen Aufgabe: Produktion, Energieversorgung und betriebliche Entscheidungen greifen eng ineinander. Einzelne Maßnahmen lassen sich deshalb oft nicht isoliert bewerten. Genau hier setzt MISTRAL an. Gemeinsam mit dem Fachgebiet Diskrete Optimierung, der GFaI sowie den Industriepartnern Evonik, Saint-Gobain und Covestro entwickelt das PTW ein Softwareframework, das diese Wechselwirkungen systematisch abbilden und Unternehmen bei der Entwicklung von optimalen Transformationspfaden unterstützen soll.
Um dieses Ziel zu erreichen, untersuchte das Projektteam zunächst, wie Unternehmen über Transformationsmaßnahmen entscheiden. Hierfür wurden Interviews mit Experten der Industriepartner aus operativer und strategischer Ebene durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass neben Investitionskosten, Return on Investment sowie Energie- und CO2-Kosten auch Versorgungssicherheit, Flexibilität und die langfristige Sicherung der Geschäftstätigkeit eine wichtige Rolle spielen. So stellt MISTRAL sicher, dass das Planungsframework technische Optionen später nicht losgelöst von realen Unternehmensentscheidungen bewertet.
Parallel dazu wurde im ersten Projektjahr die technische Datengrundlage an den betrachteten Standorten aufgebaut. Bei Evonik ROHACELL, Evonik Oil Additives und Saint-Gobain analysierte das Projektteam Prozesse, führte Werksbegehungen durch und identifizierte relevante Messstellen. So wurden Energieinfrastrukturen und Prozesszusammenhänge systematisch erfasst und bestehende Datenlücken sichtbar gemacht. Genau das ist notwendig, damit die späteren Modelle reale Bedingungen an den Standorten verlässlich abbilden können.
Das Projektkonsortium schuf wichtige Grundlagen für die Datenverarbeitung, indem es eine einheitliche Struktur zur Ablage und Aufbereitung heterogener Energiezeitreihen entwickelte. Dadurch können Unternehmen Energiedaten mit reduziertem Vorverarbeitungsaufwand in das Planungsframework integrieren. Ergänzend ermöglichen Normalisierungsmodelle einen besseren Vergleich von Energieverbräuchen unter wechselnden Randbedingungen.
Erste modellbezogene Arbeiten zeigen bereits die Richtung des Projekts:
Für Covestro wurde ein erstes Basismodell der Wasserstoffinfrastruktur aufgebaut, bei Saint-Gobain wurden erste Untersuchungsfelder zur Abwärmenutzung identifiziert. Parallel dazu legte das Projektteam erfolgreich die organisatorischen und technischen Grundlagen für das Planungsframework, welches bereits den Ist-Zustand der Produktionsinfrastruktur abbildet.
So entstand im ersten Projektjahr die hervorragende Basis, um konkrete Transformationsmaßnahmen künftig zu integrieren, zu bewerten und zu standortweiten Transformationskonzepten zusammenzuführen.